Hier entsteht ein Forum, ein YouTube aus Österreich, um einen Überblick inklusiver Medienprodukte aus Österreich zu bekommen. Schnell und einfach soll man zu inklusiven Radio- und Video/TV/Internetprodukte kommen, um diese regelmäßig sehen und hören zu können. Zusätzlich soll inklusive Medienarbeit mit einem fachlichen Diskurs begleitet werden. Inklusive Medienarbeit ist ein sehr junges Arbeits- und ein ganz neues wissenschaftliches Forschungsfeld.
Inklusive Medienarbeit
MENSCHEN & MEDIEN

Inklusive Medienarbeit

Inklusive Medienarbeit ist die elektronische (Radio, Video und ähnl.) Medienarbeit von und mit Menschen mit (Lern-) Behinderung und/oder psychischer Erkrankung. Mit oder ohne Begleitung/Unterstützung von ExpertInnen aus dem (sozial)pädagogischen, kommunikationswissenschaftlichen oder ähnl. (Medien-) Bereichen (vgl. Tradinik, München 2015). Link zu PDF-File

1. Inklusive Medienarbeit – Einleitung

Ich arbeite seit vielen Jahren mit MENSCHEN & MEDIEN, d.h. ich arbeite als Trainer (AMS Kontext) und Betreuer von Menschen mit Lernbehinderung und/oder psychischer Erkrankung. Und ebenso als Redakteur, Radio- und Filmemacher. Erst 2003 kam ich auf die Idee, diese beiden Bereiche zu verbinden. Resultat daraus ist u.a. die inklusive TV Sendung NA (JA) GENAU auf OKTO TV oder der inklusive Western 5 vor 12. Es wird Zeit. Seit 2 Jahren unterrichte ich als externer Lektor (gem. mit den wechslenden Kolleginnen Andrea Nagy, Patricia Renner & Susanne Binder) auf der FH St. Pölten inklusive Medienarbeit. Studierende der Sozialpädagogik leiten ein Medienprodukt – Video/Bild und Radio/Audio – mit/von Menschen mit (Lern-) Behinderung und/oder psychischer Erkrankung an und begleiten diese Arbeit wissenschaftlich. Bis ca. 2012 habe ich diesen Teil meiner Arbeit nie inklusive Medienarbeit benannt. Die jeweils handelnden Personen – Menschen mit (Lern-) Behinderung und/oder psychischer Erkrankung – und das Medienprodukt soll/te im Vordergrund stehen. Der Mensch mit seinen Interessen steht vor den für mich sehr faszinierenden Medien Video/bewegtes Bild und Radio/Audio. Das erste (unveröffentlichte) Konzept (2008) war das der „audiovisuellen Medienwerkstatt für Menschen mit Behinderungen und/oder psychischer Erkrankung“. In der TV Sendung NA (JA) GENAU gibt es immer noch das Logo der audiovisuellen Medienwerkstatt zu sehen. Dieses soll darauf hinweisen, dass diese Sendung aus gemeinsamer Arbeit in einer Medienwerkstatt entsteht. Erst später begann ich die TV Produktion NA (JA) GENAU – die intelligente humorvolle TV Sendung (u.a.) mit „inklusiver Medienarbeit“ zu betiteln. Ein Grund dafür ist die 2008 von Österreich unterzeichnete UN – Konvention für Menschen mit Behinderungen. Seit dieser Zeit ist eine Arbeit in diesem Bereich ohne der Betitelung „inklusiv“ kaum mehr denkbar. Ein weiteres Argument für den Begriff „inklusive Medienarbeit“ ist das Kommunizieren dieser Medienarbeiten. So wird unter Umständen schneller verstanden, um welche Art von Medienprodukten es sich handelt. Dies kann für die Öffentlichkeitsarbeit von Sendern und für Produzentinnen und Produzenten sinnvoll sein –  oder für Förderanträge. Weiters liefert es die begriffliche Definition, mit der wissenschaftlich gearbeitet werden kann. Für das (Medien-) Produkt und die Medienarbeit selbst ist dies alles nicht von Belang. Im Gegenteil: die Betitelung „inklusive Medienarbeit“ widerspricht der Idee und dem Gedanken von Inklusion.

2. Definition der inklusiven Medienarbeit

Was ist inklusive Medienarbeit?
Inklusive Medienarbeit ist die elektronische (Radio, Video und ähnl.) Medienarbeit von und mit Menschen mit (Lern-) Behinderung und/oder psychischer Erkrankung. Mit oder ohne Begleitung / Unterstützung von ExpertInnen aus dem (sozial-) pädagogischen, kommunikationswissenschaftlichen oder ähnl. (Medien-) Bereichen (vgl. Tradinik, München 2015). Die Begleitung / Unterstützung eines inklusiven Medienproduktes ist nicht per se von nöten. Sie kann sich z.B. im Bereich der Menschen mit Behinderung auf Beratung von technischen Hilfsmittel reduzieren oder eben gar nicht nötig sein. Es kann möglich sein, dass sich die Disziplin der inklusiven Medienarbeit ausschließlich auf wissenschaftliche oder dokumentarische Positionen beschränkt. Die Analyse dieser Medienprodukte, die Art und Weise, wie sie entstehen, ist wichtig um Wissen und Erfahrung weiter geben zu können und auch zu motivieren, wo es noch nötig ist. Letzteres erscheint mir nach wie vor sehr wichtig, weil Ressintements in den Köpfen schnell da sein können. Im Sinne von können die denn das überhaupt? und gar dürfen die denn das überhaupt? Ebenso ist die noch sehr kurze Geschichte von inklusiver Medienarbeit zu erfassen, wie z.B.: welche Form von TV- und Videogestaltung würden gehörlose Menschen selber wählen? Welche Sendungen wurden/werden unter welchen Voraussetzungen produziert? Wie kann ich Menschen ohne und mit  Behinderung bei der Produktion eines inklusiven Medienproduktes begleiten? Wie kann ich Ängste vor Menschen mit (Lern-) Behinderung und/oder psychischer Erkrankung nehmen?

2.1. Wissenschaftliche Wegbegleiter der inklusiven Medienarbeit

Um den Bereich der inklusiven Medienarbeit klar einzugrenzen, seien hier folgende Wegbegleiter kurz beschrieben. Integrative Medienarbeit stammt aus der freien Medienarbeit. Wie kann man Menschen zu z.B. Radioarbeit einladen, die wenig bis nicht in den Medien vorkommen. Bzw. wie (können) diese Gruppen, ihre Sendungen selbst gestalten? An der FH St. Pölten gibt es das freie Radio City- und Campuradio St. Pölten Alois Huber und Simon Olipitz (City & Campusradio St. Pölten, FH St. Pölten und COMMIT – Comunity Medien Institut) organisieren jährlich die Tagung Integrative Medienarbeit an der FH St. Pölten. Inklusive Medienbildung: Spätestens durch das Unterzeichnen Östtereichs der UN Behindertenkonvention 2009 ist die Pflicht entstanden, Schülerinnen und Schüler mit und ohne Behinderung im Umgang mit Medien medienpädagogisch unterrichten, praktischen Übungen kreieren u.a.  (Bosse, Ingo u.a.) Medienpädagogik: Die Medienpädagogik verbindet man zunächst mit umgesetzten Medienprojekten von Schülerinnen und Schüler, damit verstanden wird, wie Medien funktionieren. Wie wirken Medien, welche Machtverhältnisse von Medienprodukten und Medienproduzentinnen und Medienproduzenten gibt es u.v.m. Die Medienpädagogik beschäftigt sich nicht nur mit Radio / Audio oder Video, TV und Film, sondern auch mit Computerspielen, Internet, sicheres Internet u.v.m. „Die Medienpädagogik ist eine pädagogische Teildisziplin, deren Gegenstand es ist, Medien in der pädagogischen Praxis und Theorie zu verstehen und den Umgang mit Medien zu orientieren. Der hier eingenommene medienpädagogische Standpunkt geht von einem breiten Medienbegriff aus: Medien sind Relationen zwischen Subjekten, Substraten und Zeichen, in denen Substrate von Menschen als Zeichen verwendet werden“ ff. (Swertz, Christian 2015).

3. Inklusive Medienarbeit in Österreich – Sammlung und zeitlicher Überblick

Im Folgenden gebe ich einen Überblick über die recht kurze Zeitspanne der inklusiven Medienarbeit in Österreich. Dieser Überblick ist nicht vollständig.

3.1. Ein (unvollständiger) Überblick via Jahreszahlen

1995:  Am Anfang war der Schleifstuhl. Ein Episodenfilm von Assista Soziale Dienste (das DORF)
OÖ Regie: Peter Auer – mit dabei ua. Martin Habacher, Frank Hoffmann

1997 – heute: Freakradio in Wien zunächst auf Mittelwelle, dann auf FM Ö1 Campusradio

1998 – 2010:  Radio Insieme, die Sendung für Menschen mit Herz und anderen Störungen auf Orange 94.0
und zunächst bei Radio FRO

2002: integrativer Journalismus Lehrgang, initiiert/geleitet von Franz Joseph Huainigg & Beate Firlinger

2002 – 2007: Hartheim TV – Konzept & Umsetzung: Christian Grill

2008 – heute: Gebärdenwelt TV

2009: LOKvögel, Fische & Schmetterlinge

2011 – heute: Die Sendung mit besonderen Bedürfnissen auf Radio FRO

2011 – 2019: Mabacher TV – YouTube

2012: Kroko war`s – eine inklusive Krimikomödie, Verein Miteinander, OÖ

2012: Zitronenwasser TV / Sendung ohne Barrieren – OKTO TV

2014 – heute: NA (JA) GENAU – OKTO TV

2015 – heute: Das Leben in der Kapsel  City & Campusradio St. Pölten

2015 – heute: MC Ron on air – City & Campusradio St. Pölten

2015 / 2019: 5vor12. Es wird Zeit – der Inklusivo Spaghetti Western – OKTO TV & ORF III

2015 – heute: Burny4K – YouTube

2017 – heute: Behindertensportmagazin „Ohne Grenzen“, ORF Sport +

2017 – heute: Barrierefrei aufgerollt – Orange 94.0 u.a.

2017 – heute: Radio Wissensteam – seit 2019 auf Campus- & Cityradio St Pölten

2018: Special Olympics – eine Sportreportage von Menschen, welche von der Lebenshilfe Regau / OÖ betreut werden. Begleitet / unterstützt durch Studierende der Sozialpädagogik / FH St. Pölten

2020: Oktober 2020 startet Deafies in Wonderland – first Austrian deaf podcast auf YouTube. Dieser wird von 2 gehörlosen MedienmacherInnen gestaltet und moderiert.

3.2. Eine kurze (persönliche) Geschichte der inklusiven Medienarbeit

In den späten 90er Jahren startete Freakradio auf Mittelwelle. Die üblichen Sendefrequenzen befinden sich auf FM. Diese Radiosendung wird auch heute noch von Menschen mit und ohne Behinderung gestaltet. Bei Freakradio arbeiten noch heute Absolventen und Absolventinnen des integrativen Journalismus – Lehrganges (2002), der von Franz Joseph Huainigg, Beate Firlinger u.a. ins Leben gerufen wurde.
Der erste bis jetzt bekannte – heute inklusiver – Film wurde 1995 in OÖ produziert. Am Anfang war der – auch hier war Humor neben Aufklärung bzw Sichtbarmachen von Menschen mit Behinderung eine wichtige Komponente. 

Während ich in der ersten Psychiatrieausgliederungs – Wohngemeinschaft in Wien (Verein GIN – Gemeinwesen, Integration & Normalisierung) arbeitete, machte ich mit meinem damaligen Kollegen Ronald Strasser die Radiosendung Radio Insieme, die Sendung für Menschen mit Herz und anderen Störungen (ab 1998 auf Orange 94.0 in Wien). Die Bewohnerinnen und Bewohner dieser Wohngemeinschaft kamen via Radiojingle zu Wort.

In Oberösterreich startete 2002 Christian Grill das „Hartheim TV“ im Institut Hartheim. Dort machten bis 2007 Menschen mit (Lern-) Behinderungen und/oder psychischer Erkrankung selbst Fernsehprogramm, welches hausintern im Institut Hartheim via Kabel in alle Zimmer gesendet wurde. Menschen mit (Lern-) Behinderungen und/oder psychischer Erkrankung wurden zum Beispiel mit Mikrofon und Kamera los geschickt, um selbstständig Straßeninterviews am Linzer Hauptplatz zum „Wert des Lebens“ zu machen (für eine Ausstellung im Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim). Das Institut – Wohnheim Hartheim befindet sich neben dem Schloss Hartheim.

Ich lernte Hartheim TV 2003 kennen, als ich als Workshop – Co Leiter (Radio- und Filmemacher) zu Menschen mit (Lern-) Behinderungen nach Alkofen / OÖ – ins Institut Hartheim eingeladen (von Johanna Tatzgern, Kunstprojekt PUZZLE) wurde. Dort arbeitete ich an einem Wochenende mit Menschen mit (Lern-) Behinderung an Radio- und Videoprodukten. Für mich persönlich war das Erlebnis mit einem ca. 30 jährigen Mann sehr eindrucksvoll, der – als wir Radio machten – nonverbal ins Mikrofon lautierte und sich diese Aufnahme anschließend immer und immer wieder, mal laut, mal leise anhörte. Er war ganz fasziniert von seiner eigenen Stimme.

Parallel dazu wurde mir eine DVD von Hartheim TV gezeigt, in der Interviewszenen zu sehen waren. Auffällig waren die Wiederholungen der Fragen des Reporters, die mir durch meine Arbeit als Betreuer in der ersten Psychiatrieausgliederungs – Wohngemeinschaft sehr vertraut waren. Der Reporter stellte immer wieder dieselbe Frage, obwohl er schon mehrmals dieselbe Antwort darauf bekam. Dies faszinierte mich. Eine Person mit „geistiger Behinderung“ (damalige Bezeichnung) in einem anderen bekannten Kontext: ein TV Reporter befragt eine Person auf der Straße. Die Person mit geistiger Behinderung (damalige Bezeichnung) bekam für mich so eine ganz andere Bedeutung.

2008 startete das TV von gehörlosen Medienmacherinnen und Medienmachern im Internet: Gebärdensprache TV. Eine Nachrichtensendung in Gebärdensprache. Vom Leben und Alltag gehörloser Menschen – in humorvoller und seriöser Form – möchte Deafies in Wonderland erzählen.

In größerem Rahmen habe ich inklusive Medienarbeit erstmals beim Verein LOK (Leben ohne Krankenhaus) umgesetzt. Gemeinsam mit Kollegen Alfred Wetzelsdorfer leiteten wir ein inklusives Medienprojekt mit KlientInnen des Verein LOK´s an, einen Film zumachen. Wie gehe ich mit Kamera und Mikrofon um, was interessiert mich selbst zu zeigen? Daraus wurde die Kinodoku LOKvögel, Fische & Schmetterlinge (2008/09). 2014 startete ich die TV Sendung NA (JA) GENAU – OKTO TV und 2015 den Italowestern 5vor12. Es wird Zeit, der auf OKTO TV ausgestrahlt wurde und 2019 auf ORF III gezeigt wurde.

Radio FRO – Freies Radio Oberösterreich – versuchte schon sehr früh, selbst gestaltete Radiosendungen von Menschen mit (Lern-) Behinderung/en zu ermöglichen. Radio FRO entwickelte und arbeitete u.a. ständig an barrierefreien Produktionsmöglichkeiten. Zur Zeit besitzt es das einzige (selbst entwickelte) barrierefreie Radiostudio in Österreich. Die dort entstandenen Radiosendungen sind zum Beispiel die Sendung mit besonderen Bedürfnissen oder das Radio Handycap.

In Oberösterreich gestaltete der Verein Miteinander 2012 den ersten inklusiven Krimi Österreichs Kroko wars und auf OKTO TV ging 2012 die erste TV Sendung Zitronenwasser on air, welche ab 2014 in die Sendung ohne Barrieren umbenannt wurde. Diese Sendereihe – initiiert und gestaltet von Ernst Spießberger / Zitronenwasser Social Art Movie – finanziert sich durch wechselnde AuftraggeberInnen und GestalterInnen aus dem Bereich der Behindertenarbeit & -betreuung und ähnlichen Institutionen oder Personen.

Martin Habacher, der später durch seine humorvollen Beiträge auf YouTube mit seinem Channel habacher TV (Ability-Checks u.a.) bekannt wurde, war einer der ersten Moderatoren dieser Senderreihe. Martin Habacher ist 2019 nach kurzer schwerer Krankheit viel zu früh verstorben. Er war mit einem humorvollen TV Format am Sprung zum ORF. Die Pilotsendung wurde auf seiner Gedenkfeier gezeigt. In Niederösterreich startete beim freien Radio St. Pölten 2015 Das Leben in der Kapsel und MC Ron on air. Menschen mit Lernbehinderung, mit psychischer Erkrankung bekamen/bekommen dort die Möglichkeit, mit/ohne Begleitung selber eine Radiosendung zu gestalten und on air ins Sprechen zu kommen. Die Begleitung übernahmen Radioprofis wie Anna Michalski. Initiiert und begleitet von Alois Huber und Simon Olipitz u.a. vom freien Radio City & Campusradio St. Pölten, der FH St. Pölten und COMMIT – Community Medien Institut für Weiterbildung, Forschung und Beratung. Der Anspruch war/ist kein psychologischer, pädagogischer oder ähnlicher. Der Anspruch ist, die Gestaltung einer Radiosendung zu ermöglichen und der/die Moderatorin und dem Moderator nach ihren Möglichkeiten und Wünschen sprechen zu lassen. Ganz im Sinne der Grundidee des freien Radios. Partizpation jeder gesellschaftlichen Gruppe soll auch via Radio möglich sein.

Eines der jüngsten inklusiven Medienproduktionen ist das Radio Wissensteam aus einer Werkstätte des ÖHTB beim City & Campusradio St. Pölten oder auch die Sendereihe Barrierefrei aufgerollt auf Orange 94.0 in Wien (u.a. freie Radiosender) von Bizeps. Während Bizeps sich schon viele Jahre sehr aktiv mit Fragen zu Barrierefreiheit und ähnlichen Themen beschäftigt, erarbeiten beim Radio Wissensteam Menschen mit (Lern-) Behinderung, gemeinsam mit ihrem Betreuer Georg Gegenhuber wöchentlich die Radiosendung Radio Wissensteam. Auch hier gibt es Erfahrungsberichte, dass durch das Machen dieser Radiosendung, einige MacherInnen vermehrt ins Sprechen kommen. Der Akt des „ins Mikrofon Sprechen“ ist motivierend, erzählt (sinngemäß) Georg Gegenhuber, Betreuer und Initiator der Sendung.

Beim Behindertensportmagazin Ohne Grenzen ORF Sport + moderiert seit 2017 Miriam Labus die Sendung. Sie ist eine Moderatorin im Rollstuhl. Auf YouTube ist seit Burny 4K seit 2015 aktiv. Er moderiert humorvoll und kritisch Themen rund um den Alltag mit Behinderung.

Seit 1998 bzw. 1997 wurde einiges in Bewegung gesetzt. Es sind inklusive Radio- und TV Sendungen und Filme produziert worden, welche bis dahin vermutlich nicht mal denkbar waren. Aus meiner persönlichen Sicht ist dennoch nach wie vor wie vor das größte Hindernis die Barriere im Kopf. Und zwar bei allen Personengruppen unserer Gesellschaft. Darum erscheint mir wichtig, weiterhin solche Formate in alle Genres zu produzieren und regelmäßig zu verbreiten.

Dies ist kein vollständiger Überblick. Dieser ist aus meiner persönlichen, praktischen Arbeit heraus gesehen und gesammelt worden. Er dient dazu, ein ungefähres Gefühl dafür zu bekommen, wie und wann sich inklusive Medienarbeit in Österreich entwickelt hat. Gerne Infos, Korrekturen & Anregungen an mich: ernst.tradinik@menschenundmedien.at

4. PiratInnen - Wegbereitung für die inklusive Medienarbeit

Was förderte die Entstehung von inklusiver Medienarbeit? Der Fokus wird hier nicht auf Begriffe und Entwicklungen wie Integration, Psychiatrieausgliederung, Normalisierung, Empowerement, unterstützte Kommunikation, inklusive Pädagogik u.v.a. gelegt, sondern auf eine wichtige gesellschaftliche Veränderung in Österreich, die die Medienwelt und damit alle in Österreich lebenden Personen betroffen hat. – Die sogenannte PiratInnenradioszene bemühte sich in den Jahren vor 1998 in Österreich darum, endlich das Recht zu bekommen, selbst eine Sendefrequenz zu nutzen. Dies gelang schließlich 1998. So konnten in Österreich erstmals neben dem öffentlich rechtlichen Rundfunk andere Radio- und TV Sender in Österreich on air gehen (vgl. Jungwirth Christian 2017, Schwarzwald Helga u.a.). Zuvor wurde – darum die Bezeichnung PiratInnenradio – immer wieder illegal mit kleinen selbst gebastelten Sendern gesendet. Diese PiratInnen wurden tatsächlich gejagt und mussten – sofern sie erwischt wurden – mit rechtlichen Konsequenzen für ihre Arbeit rechnen. Weil sie mit ihren selbst gebastelten Sendern einige Menschen illegal via Radio erreichten. – Bis dahin gab es in Österreich, das heißt bis (erst) vor 22 Jahren, ausschließlich den öffentlich rechtlichen Rundfunk. Nur dieser hatte das nötige Equipement und die Lizenz zum Senden. Niemand anderer konnte und durfte in Österreich bis dahin on air gehen. Weder mit Bild, noch mit Audio. Dies ist aus heutiger Sicht nur mehr schwer vorstellbar. Rund um Österreich war dies in sehr vielen Ländern schon längst üblich. Österreich war in diesem demokratiegesellschaftlich wichtigen Bereich um sehr viele Jahre später dran. Das heißt nicht, dass der öffentlich rechtliche Rundfunk nicht gute und sehr wichtige Arbeit leistet. So ist aber eine wesentlich größere Diversität, Partizipation und Demokratisierung gegeben. – Das nötige technische Equipment wurde mit der Digitalisierung zunehmend leistbar. Mittlerweile kann man mit jedem Handy und einem zusätzlichen Mikrofon einen Beitrag gestalten und diesen auch senden. Vor etwa 25 Jahren war es noch nötig, sehr viel Geld zu investieren, um filmen und schneiden zu können. – Das Internet, die Möglichkeiten um YouTube und Co trugen ebenso dazu bei. Dies ermöglicht allen via Internet selber zu senden, selbst Medienprodukte zu veröffentlichen. Dies steigerte das Interesse, selbst Videos, Podcasts u.a. zu gestalten und zu senden. – Es war nur eine Frage der Zeit, dass auch Menschen mit (Lern-) Behinderungen und/oder psychischen  Erkrankungen, diese Möglichkeit für sich entdecken. – Und dies auch Effekte bezüglich inklusive Medienarbeit im 1. oder 2. Arbeitsmarkt hat / haben wird.

5. Teilbereiche der inklusiven Medienarbeit

Die Teilbereiche sind aus der Praxis abgeleitet, aus Fragen und Erkenntnissen, die während der inklusiven Medienarbeit entstanden/entstehen.

  • Sprache und (Nicht) Sprechen
  • Kompetenzen und Selbstbemächtigung
  • Teilhabe und Partizipation
  • Persönliche Anforderungen an die Begleitung / Unterstützung inklusiver Medienarbeit
  • Technische Anforderungen an die Begleitung / Unterstützung von inklusiver Medienarbeit
  • Mediengestaltung und Medientechnik
  • (Lern-) Behinderung und/oder psychische Erkrankung
  • Medienberufe / Möglichkeiten für den 1. und 2. Arbeitsmarkt
  • (Selbst-) Darstellung Menschen mit (Lern-) Behinderung und/oder psychischer Erkrankung in  elektronischen Medien wie TV, Radio und ähnl.
  • 5.1. Sprache und (Nicht) Sprechen

    2003 war ich im Institut Hartheim / OÖ und machte dort einen Radioworkshop mit Menschen mit (Lern-) Behinderung. Mikrofon, Mischpult, Kopfhörer etc. waren aufgebaut, es wurden erste Aufnahmen gemacht. Ein Mann, der nonverbal kommunizierte, also ins Mikrofon lautierte, hörte sich anschließend seine Aufnahmen mit großem Interesse an. Immer und immer wieder, mal laut und mal leiser. Ich sah dem Mann dabei fasziniert zu. Es sah wie ein Experiment aus, ein Erforschen der eigenen Stimme. Wir hatten leider nur eineinhalb gemeinsame Tage Zeit. Es wäre interessant gewesen, wie so eine Radioarbeit weiter gegangen wäre.

    Durch die regelmäßige Arbeit an inklusiven Medienprodukten kann die Lust am Sprechen, die Lust sich neue Wörter oder Sätze anzueignen, sich selbst zu hören und ähnl. gesteigert werden. So meine bisherige Erfahrung.

    Warum dies so ist, weiß ich (noch) nicht. Es ist vielleicht das Setting, welches das vermehrte Sprechen interessant macht. Es ist vielleicht das Wissen, dass dieses Sprechen ins Mikrofon dazu gemacht ist, um von anderen gehört zu werden. Oder weil man, wie im obigen Beispiel, sich dann selber hören kann. Für manche, so konnte ich beobachten, ist es die Technik, die das Sprechen interessant macht. Also das Mikrofon, das Mischpult, das Studio etc. Für manche ist es der Akt des Sprechens, des Kommunizieren selbst, der hier einen neuen Platz bekommt.

    Die inklusive Medienarbeit kann auf Wissen aus anderen wissenschaftlichen oder Arbeitsdisziplinen zugreifen. Die Logopädie kann hier einiges beitragen, zum Beispiel zum Verständnis, warum eine Person bestimmte Wörter nicht (aus) spricht? Ebensolches kann die Sprachwissenschaft oder die Psychoanalyse beitragen. Warum wird etwas gesprochen und anderes nicht? Oder manches immer wieder? Und wie kann man damit als BegleiterIn / UnterstützerIn eines inklusiven Medienproduktes damit arbeiten.

    5.2. Kompetenzen und Selbstbemächtigung

    Welche Kompetenzen und Interessen an bestimmten Themen, an Personen, an Arbeitsbereichen – in der Medienproduktion: Kamera, Moderation, Audio etc. – sind vorhanden? Welche Tätigkeiten werden gerne gemacht oder sind besonders interessant? Das können Grundfragen sein, welche man zu Beginn stellt oder im Laufe eines Projektes entwickelt. Zum Beispiel in Kombination mit Übungen oder Fragen zu Selbst- und Fremdwahrnehmung.

    Ich beginne sehr gerne ohne jeglicher Vorinformation mit einer Gruppe zu arbeiten. So komme ich eher zu individuellen Kompetenzen und Interessen, weil ich nicht mit einem vermeintlichen Vorwissen an die Personen herantrete. Welche Kompetenzen hat eine Person? Wofür schlägt das Herz? Wofür begeistert sich eine Person? Was kann alles frei gestaltet werden? Oder braucht es eher engere und klare Strukturen, um zu einem Wohlbefinden beim Arbeiten zu kommen?

    Sind es (journalistische) Tätigkeiten wie Recherche, das Sprechen, das Fragen, das interviewen von Menschen oder die Bedienung eines Computers, einer Kamera, eines Aufnahmegerätes? Ist die Bildgestaltung anziehend oder das Kontrollieren des Audiopegels? Ist jemand gern vor oder hinter der Kamera? Wird ein Thema lieber mit Humor oder Seriosität aufbereitet? Das sind mögliche Fragen, welche auf Kompetenzen schließen lassen, denen nachgegangen kann und um dies herum man ein Arbeitsfeld aufbereiten kann.

    Die Person soll über die Umsetzung von eigenen Kompetenzen ins Handeln kommen. Und falls nötig – weil noch nicht erfahren – die Erfahrung der Selbstbemächtigung machen. Mit der Selbstbemächtigung setzte sich Lukas Adler in seiner Bachelorarbeit (FH St Pölten / Sozialpädagogik 2018) auseinander.

    5.3. Teilhabe und Partizipation

    Dieser Teilbereich zeigt die Möglichkeiten der Teilhabe und Partizipation an Gesellschaft. Hier ist insbesonders die mediale und journalistische Teilhabe gemeint. Es ist nötig, Voraussetzungen zu schaffen, dass diese auch via Medienproduktionen in verschiedensten Formaten und Genres, von Menschen mit (Lern-) Behinderung und/oder psychischer Erkrankung, gelingt.

    Wie Partizipation in einem inklusiven Medienprojekt von/mit Menschen mit Lernbehinderungen gelebt bzw umgesetzt werden kann, damit setzte sich Ralf Gröger in seiner Bachelorarbeit auseinander. Das Studierendenteam der Sozialpädagogik der FH St. Pölten begleitete / unterstützte ein Team aus einer Tageswerkstätte der Lebenshilfe in Regau / OÖ. Zunächst wurde ein Einführungsworkshop in Kamera- und Audiotechnik gegeben und das freiwillig selbst gewählte Team aus der Werkstätte Regau in OÖ machte eine Reportage über die dort ausgetragenen Special Olympics (FH St Pölten/Sozialpädagogik 2018). Die Gruppe der Studierenden begleitete und unterstützte das Team bei ihrer Tätigkeit als SportreporterInnen.

    5.4. Persönliche Anforderungen an die Begleitung / Unterstützung inklusiver Medienarbeit

    Durch meine langjährige Arbeit als Betreuer bin ich besonders hellhörig geworden, wenn es um Machtverhältnisse bei der Begleitung / Unterstützung, bei der Betreuung von Menschen mit (Lern-) Behinderungen und/oder psychischer Erkrankung geht. Es ist nicht selbstverständlich, dass Machtausübung in ihren unterschiedlichsten Formen ausgeschlossen ist. Vermutlich wird dies nie ganz ausgeschlossen sein. Darum ist es äußerst wichtig, immer wieder zu überprüfen, wer möchte eigentlich was?

    Eine Voraussetzung dafür ist, dass klar sein muss, dass grundsätzlich alles sagens- und sendenswert ist. Es gibt kein richtiges oder falsches Sprechen. „Babababa“ ist sagenswert, wenn das jemand in seiner Sendung in die Kamera, in das Mikrofon sagen möchte (Tradinik 2019). Das darf nicht unterbunden werden. Damit soll gearbeitet werden. Man wird sehen, wohin der Weg führt. Der/die ZuseherIn muss sich an das Produkt anpassen.

    Das heißt, Selbstreflektion ist ein sehr wichtiger Bestandteil der inklusiven Medienarbeit. Die unterstützenden begleitenden ExpertInnen sollen sich selbst in irgendeiner Form immer wieder überprüfen, sich selbst fragen, was sie denn nun genau tun? Unterstützen sie die Person in ihren Ideen, unterstützen und begleiten sie die Umsetzung eines bestimmten Formates oder setzen sie eigene Ideen um? Setzen sie durch, wie Fernsehen, Radio oder ähnl. zu sein hat oder begleiten / unterstützen sie eigene Ideen und Vorstellungen der MedienmacherInnen?

    Welche Instrumentarien kann man zur Verfügung stellen, um zu gewährleisten, dass kein Machtmissbrauch während der Arbeit geschieht? Mit Machtmissbrauch meine ich hier, dass nicht auf Interessen oder Wünsche der Medienmacher und Medienmacherinnen gehört werden, sondern eher das umgesetzt wird, was die Begleiter und Begleiterinnen eines inklusiven Medienprojektes für gut befinden. Also wie kann z.B. größtmögliche Transparenz bei der Formatwahl u.a. gewährleistet werden? Das sind wichtige Fragen dieses Teilbereiches.

    5.5. Technische Anforderungen an die Begleitung / Unterstützung inklusiver Medienarbeit

    In diesem Teilbereich sollen technische Möglichkeiten untersucht und gesammelt werden, die Menschen mit (Lern-) Behinderung und/oder psychischer Erkrankung bei der Medienarbeit unterstützen. Barriere freie Radiostudios (Hubner, Sabine: Masterarbeit – Medientechnik – FH St. Pölten, 2018), technische Unterstützung bei der Bedienung von Kamera, Mischpult, Computer, Audio und Videoschnitt. Wie zum Beispiel Augensteuerung von Computer, diverse große Taster oder ähnliches. Im aktuellen Masterlehrgang der Sozialpädagogik und der Medientechnik (beides FH St. Pölten) setzten Studierende der Medientechnik (alle Namen im Anhang) und der Sozialpädagogik – Tanja Hornbacher, Lisa Schuster & Sonja Simon  – die Talkshow Love Talk um. Die Talkshow leitete eine Moderatorin mit Sehbehinderung. Das Ergebnis war auf OKTO TV zu sehen: https://www.okto.tv/de/oktothek/episode/25070 Folgende Fragen stellen sich hier: Welche Bereiche in der Technik (TV Aufnahme im TV Studio der FH St. Pölten) müssen neu oder anders gedacht und umgesetzt werden? Welche Ängste gibt es im Umgang mit blinden Moderations – Kollegen und Kolleginnen? Was braucht es von sozialpädagogischen, kommunikationswissenschaftlichen u.a. Expertinnen und Experten, um so ein Projekt gut zu begleiten und anzuleiten? Die Umsetzung der Talkshow ist ein Kooperationsprojekt des Masterlehrganges Sozialpädagogik und des Lehrgang der Medientechnik im TV Studio der FH St. Pölten (Leitung: Lars Örtel & Alois Frotschnig). Die begleitende sozialwissenschaftliche Arbeit, die Masterarbeit von Tanja Hornbacher, Lisa Schuster & Sonja Simon wird 2021 (Masterlehrgang Sozialpädagogik auf der FH St. Pölten) abgeschlossen sein. Die Studierenden der Medientechnik setzten die Arbeit in der Lehrveranstaltung Talkshow im Rahmen ihrer Lehrveranstaltung um.

    5.6. Mediengestaltung und Medientechnik

    Dieser Bereich beschreibt die nötigen Unterrichtsfächer. Fächer wie Moderation, Kamera, Licht, Bildgestaltung, Audiotechnik u.v.a. Was es braucht, ist eine Aufbereitung, um barrierefreien Zugang bzw Unterricht zu ermöglichen:einfache Sprache, unterstützte (technische) Kommunikation, Gebärdensprache, Braille u.a.

    5.7. (Lern-) Behinderung und psychische Erkrankung

    Welche (Lern-) Behinderungen und psychische Erkrankungen gibt es? Fokus im Aufbereiten dieser Infos sind Menschen, welche unter Umständen noch nie mit diesen Personengruppen zu tun hatten. Aber auch für die Gruppe der begleitenden unterstützenden ExpertInnen sind diese Infos wichtig. Bzw. auch Fragen, dass, selbst wenn es eine genaue Diagnose vorhanden ist, dies noch keine große Aussagekraft haben muss.

    5.8. Medienberufe für den 1. und 2. Arbeitsmarkt

    Am 1. Arbeitsmarkt ist dies zur Zeit bis auf wenige Ausnahmen derzeit kaum (noch nicht) denkbar. Selbst am 2. Arbeitsmarkt (von öffentlicher Hand unterstützt) gibt es kaum Möglichkeiten für Menschen mit (Lern-) Behinderung/en und/oder psychischer Erkrankung, in Medienberufen zu arbeiten oder zumindest journalistische Grundfertigkeiten zu erlernen und anzuwenden. Zur Zeit gibt es auf ORF Sport extra (ModeratorInnen), inklusive Medienprodukte auf OKTO TV und einige Radiosendungen auf freien Radiosendern in Österreich. Im journalistischen Printbereich gibt es u.a. die inklusive Lehrredaktion bei der Tageszeitung Kurier. Für die Umsetzung bzw Realisierung ist hier Heinz Wagner federführend: https://kurier.at/author/kiku-heinz. Beim ORF gibt es seit diesem Jahr eine inklusive Redaktion, die für die Transkription in einfache Sprache zuständig ist. Fritz Hausjell, Kommunikationswissenschafter der Uni Wien u.v.a. erzählte mir (sinngemäß), dass er immer wieder MedienunternehmerInnen darauf hinweist, dass sie viele NutzerInnen verlieren, wenn sie nicht Menschen mit (Lern-) Behinderungen und/oder psychischer Erkrankung, in die redaktionelle Tätigkeit einbinden. Fritz Hausjell ist u.a. stellvertretender Leiter des Instituts für Publizistik- und Kommunkationswissenschaft in Wien.

    5.9. Öffentlichkeit / (Selbst-) Darstellung Menschen mit (Lern-) Behinderung und/oder psychischer Erkrankung in den Medien

    Wenn Menschen mit (Lern-) Behinderung und/oder psychischer Erkrankung vor der Kamera oder am Mikrofon arbeiten, ermöglicht dies ZuseherInnen und -hörerInnen einen Einblick in diese Personengruppe. Was u.a. zur Erkenntnis führen kann, dass diese Menschen ebenso divers sind, wie alle anderen.

    Das eigenständige Produzieren würde endgültig das mediale Abbild eines Bittstellers oder bedürftigen Menschen ablösen. So werden/wurden Menschen mit (Lern-) Behinderung gerne im TV gezeigt oder thematisiert (Vgl. Pernegger, Maria 2015 oder Huainigg, Franz Joseph, wissenschaftliche Begleitung: Volker Schönewiese: Schicksal täglich. Zur Darstellung behinderter Menschen im ORF).

    Wie sich die Sicht von ZuseherInnen eines inklusiven Medienproduktes verändern kann, schreibt Michael Fussi in seiner Bachelorarbeit: Mediale Darstellung von Menschen mit Behinderung in einem Projekt der Inklusiven Medienarbeit aus Sicht von Zuseher/innen und auch Bianca Weiland: Die Wahrnehmung von inklusiver Medienarbeit aus Sicht der ZuseherInnen (FH St Pölten/Sozialpädagogik 2018).

    6. Fazit

    Es gilt die Möglichkeiten der inklusiven Medienarbeit – einer neuen und sehr jungen Diziplin – zu erforschen und die Ergebnisse weiter zu geben. Was kann inklusive Medienarbeit leisten? – das ist die Hauptfrage, die wir uns hier stellen. Weitere wichtige Fragen sind: Wie kann gewährleistet werden, dass tatsächlich das jeweilige eigene gewünschte Medienprodukt umgesetzt wird und nicht jenes der begleitenden, unterstützenden Person? Oder wann und wie macht es Sinn, wenn die begleitende unterstützende Person sich auch klar einbringt?

    Wie wird gewährleistet, dass das freie Sprechen / nonverbales Kommunizieren unterstützt wird? Oder ein Sprechen / nonverbales Kommunizieren unterstützt wird, welches ein bestimmtes Genre (Radio- und TV Format und ähnl.) umsetzen möchte?
    Was erwarten sich die Menschen mit (Lern-) Behiderung und/oder psychischer Erkrankung selbst? Damit setzte sich Ingrid Hinterreithner in ihrer Bachelorarbeit auseinander: „Erwartungen von Menschen mit Beeinträchtigungen an ein inklusives Medienprojekt“ (FH St. Pölten/Sozialpädagogik 2018).

    Bis es selbstverständlich sein wird, dass Medienprodukte von Menschen mit (Lern-) Behinderungen und/oder psychischer Erkrankung mit oder ohne Begleitung / Unterstützung von sozialpädagogischen u.a. ExpertInnen, in TV (und ähnlichen Sendern) oder Radiosendern zu hören und zu sehen sein werden, da sind noch einige Schritte zu gehen, bzw einige Barrieren in den diversesten Köpfen abzubauen.

    Ich denke aber, dass dies nicht mehr aufzuhalten sein wird. Schon allein das Internet und die freien Sender machen klar, dass diese Formate wichtig sind und gesehen und gehört werden. Auf dem Weg dorthin kann das Wissen über inklusive Medienarbeit in den aufgezeigten Teilbereichen weitere inklusive Medienprojekte unterstützen. Wie setze ich inklusive Medienprodukte um? Was braucht es, damit es dazu kommt? Wer hat was davon? Was gilt es bei der Anleitung und Unterstützung zu beachten? Welche Technik braucht es für bestimmte Personengruppen? Wie kann man diese Technik modifizieren? Ich denke, dass der technische Bereich jener sein wird, der als erstes viel Geld in die Hand nehmen wird, das Technik so gestaltet wird, dass diese barrierefrei ist. Wie kann man Menschen mit oder ohne (Lern-) Behinderungen und/oder psychischer Erkrankung dabei unterstützen, ihre Ideen umzusetzen? Und auch den Mut hat, neue Formate zu entwickeln oder sich an vorhandenen Formaten versucht, und diese ohne Selbstzweifel umsetzt.

    7. Inklusive Medienprodukte – angeleitet/begleitet von StudentInnen der Sozialpädagogik der FH St. Pölten (Auswahl)

    • Radio: Ideen sind Gedanken der Schöpfung – wir alle haben sie (Natalia Lehner, Gregor Wallner & Christina Damböck)
    • TV: Love Talk – die Talk Show (Tanja Hornbacher, Lisa Schuster & Sonja Simon)
    • TV: Sport Reportage über die Special Olympics 2018 (Ingrid Hinterreithner, Irene Nußbaumer,Ralph Gröger, Lukas Adler, Romana Vötsch)
    • Inklusiver Werbespot Bäckerei: Lena Fian, Barbara Leeb, Birgit Rosner & Julia Ulreich
    • Aus geplanten You TuberInnen Videos wurde – wegen des Maßnahemen der Corona Pandemie – eine filmische Begleitung der ProtagonistInnen. So entstand ein filmisches Portrait über die Protagonisten und Protagonistinnen und ihrer Möglichkeiten, mittels (technisch) unterstützter Kommunikation mit ihrer Umwelt zu kommunizieren. Von: Theresa Bitrol, Michael Kneidinger & Ulrike Kreuzbichler

    8. Aktuelle Masterarbeiten von Studierenden der Sozialpädagogik / FH St. Pölten

    • Lukas Adler, Ralph Gröber & Irene Nußbaumer: Inklusive Medienarbeit – Was bringts? Was bewirken Projekte inklusiver Medienarbeit mit Menschen mit Behinderung – am Beispiel eines selbst konzipierten Medienprodukts von Menschen mit Behinderung?
    • Lena Fian, Barbara Leeb, Birgit Rosner & Julia Ulreich: Inklusiver Werbespot für eine Bäckerei. Wie wird Diversität im Kontext (Lern-) Behinderung in einem Werbespot wahrgenommen?
    • Theresa Bitrol, Michael Kneidinger & Ulrike Kreuzbichler: Inklusive Medienarbeit als Weg zu barrierefreier Kommunikation und gesellschaftlicher Aufklärung. Wie wird ein Kurzfilm mit ProtagonistInnen, die körperliche und/oder kognitive Beeinträchtigungen und kommunikative Einschränkungen haben, wahrgenommen?
    • Tanja Hornbacher, Lisa Schuster & Sonja Simon: Love Talk (Talkshow) – Wie gestaltet sich die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Sozialpädagogik, Medientechnik und Menschen mit Behinderung?
    • Natalia Lehner, Gregor Wallner, Christina Damböck: Welchen Nutzen und Funktion haben inklusive Medienarbeit für KünstlerInnen mit (Lern-) Behinderung und/oder psychischer Erkrankung?

    9. Bachelorarbeiten 2018/19 von Studierenden der Sozialpädagogik / FH St. Pölten (Auswahl)

    • Adler, Lukas: Selbstbemächtigung durch inklusive Medienarbeit. St. Pölten, 2018
    • Damböck, Christina: Ein Projekt inklusiver Medienarbeit aus Sicht der teilnehmenden Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung. St. Pölten, 2018
    • Gröger, Ralph: „Brücken bauen“ – Herausforderungen und Partizipationsmöglichkeiten für Menschen mit Beeinträchtigung. St. Pölten, 2018
    • Eggenberger-Wengust, Andrea: Humor in der inklusiven Medienarbeit. St. Pölten, 2019
    • Fussi, Michael: Mediale Darstellung von Menschen mit Behinderung in einem Projekt der Inklusiven Medienarbeit aus Sicht von Zuseher/innen. St.Pölten,  2018
    • Hinterreithner, Ingrid: Erwartungen von Menschen mit Beeinträchtigungen an ein inklusives Medienprojekt. St. Pölten, 2018
    • Schuh, Sabrina: Möglichkeiten einer Kochshow für Menschen mit Lernbehinderung. Ergebnisse eines inklusiven Medienprojektes. St. Pölten, 2019
    • Nußbaumer, Irene: Brücken Bauen – Herausforderungen von Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen bei einem Projekt inklusiver Medienarbeit. St. Pölten, 2018
    • Weiland, Bianca: Die Wahrnehmung von inklusiver Medienarbeit aus Sicht der ZuseherInnen. St. Pölten, 2019
    • Weiser-Belounas, Sophie: Aspekte der Diversität im Projekt „Inklusive Medienarbeit“ mit Menschen mit Unterstützungsbedarf. St. Pölten, 2019

    10. Personen, Literatur & Quellen

    10.1. Talk Show „Love Talk“

    • Moderation: Silvia Oblak,
    • Gäste: Michaela Höss, Christine Schmid & Andrea Schremser.
    • Regie: Helene Sorger, Bildmischung &
    • Technik: Barbara Fuchs,
    • Ton: Christian Ausserer,
    • Technische Leitung: Maximilian Hebrank,
    • Licht: Elisabeth Ehrenhauser,
    • Kamera: Johannes Arnold, Alexander Jarmic, Simon Kofler & Tanja Ploner,
    • Kamerakind: Janine Hornicek-Vogel,
    • Grafik: Christian Schulz,
      Postproduktion: Camilla Sporrer,
    • Making Of Assistenz: Pierre Luigi Gasciarino,
    • Produktion: Adam El Hamalawi,
    • (sozialpädagogische) Redaktion: Tanja Hornbacher, Lisa Schuster & Sonja Simon

    10.2. Literatur

    • Bosse, Ingo; Jan Rene Schluchter & Isabel Zorn (Hrsg): Handbuch Inklusion und Medienbildung. Weinheim Basel, 2019.
    • Huainnigg, Franz Joseph; gem. mit Volker Schönwiese: Schicksal täglich – Zur Darstellung behinderter Menschen im ORF. Wien, 1996.
    • Hubner, Sabine: Barrierefreie Radiomoderation: Eine Erhebung des Ist-Standes der freien Radios in Österreich. St. Pölten, 2018.
    • Jungwirth, Christian: Partizipatives nichtkommerzielles Community TV im Medienwandel des 21. Jahrhunderts. Wien, 2017.
    • Pernegger, Maria: Menschen mit Behinderungen in österreichischen Massenmedien. Jahresstudie 2016/16
    • Schön, Sabrina: Medienarbeit und Inklusion (2018): Was Ernst Tradinik mit Menschen und Medien macht: https://www.medienpaedagogik-praxis.de/2018/03/27/medienarbeit-und- inklusion-was-macht-eigentlich/ (Abrufdatum: 06.05.2020).
    • Rölleke, Renate; Schill, Wolfgang (Redaktion): Inklusion und Medienbildung. 2018
    • Schwarzwald, Helga (aufbauend auf einen Text von Hirner, Wolfgang): Entwicklung der freien Radios in Österreich
    • Swertz, Christian: Medienpädagogik. Wien, 2015.
    • Tradinik, Ernst (2015): Menschen & Medien. Ein Erfahrungsbericht. In: Merz Medien + Erziehung. Zeitschrift für Medienpädagogik. 3/2015. 59. Jahrgang. S. 65-71. München, 2015.
    • Tradinik, Ernst: Medienberufe für Menschen mit Beeinträchtigung. In: Merz Medien + Erziehung. Zeitschrift für Medienpädagogik. 5/2019. 59. Jahrgang. S. 55 -59. München, 2019.
    • Tradinik, Ernst: 5 vor 12. Es wird Zeit. In: Kultur als Rezept 1.19. IG Kultur Österreich, Kooperation mit dem Bundeskanzleramt. S. 21 – 24. Wien, 2019.

    10.3. Im Artikel genannten Personen

    10.4. Inklusive Medienarbeit - KollegInnen auf der FH St Pölten

    10.5. Quellen

    Autor Ernst Tradinik Mag. ist Lektor (ext.) auf der FH St. Pölten: Inklusive Medienarbeit. Er arbeitet seit 28 Jahren als Betreuer von Menschen mit (Lern-) Behinderung/en und/oder psychischen Erkrankungen, als Trainer im AMS Kontext, als Redakteur und Filmemacher (ORF, OKTO TV, W24 u.a.) Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Psychologie & Pädagogik in Wien. Lehrgang Fernsehjournalismus auf der Donauuni Krems. 2019 Gründung der Firma MENSCHEN & MEDIEN www.menschenundmedien.at – Mail: ernst.tradinik@menschenundmedien.at Ernst Tradinik – Wien, September 2020
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